Archiv für November 2008

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Am Rande

November 12, 2008

Auch die SchülerInnen schweigen nicht…

Schulstreik!

Für Mittwoch, dem 12. November ruft das Bündnis ‘Bildungsblockaden einreißen!’ zu einem bundesweiten Schulstreik gegen die aktuelle Bildungspolitik auf.

Der Streik ist nicht zuletzt eine Reaktion auf die leeren Versprechungen des sogenannten ‘Bildungsgipfels’, zu dem die Bundeskanzlerin am 22. Oktober eingeladen hatte.

Im offiziellen Aufruf zum Schulstreik heißt es:

(siehe www.schulaction.org/aufruf.php)

‘Doch geredet wurde schon genug – und gehandelt wird nicht im Interesse der SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern. Die Reichen und Konzernchefs werden reicher, während die Bildungschancen für ärmere SchülerInnen und Lernende mit Migrationshintergrund weggespart werden. Kostengünstig und schnell sollen im Super-Stress (zum Beispiel Abitur nach 12 Jahren bei steigenden Anforderungen) Arbeitskräfte für die Konzerne produziert werden. Eine kleine, gut ausgebildete Elite – mehr soll nicht mehr finanziert werden. Bildung nur noch für diejenigen, die es sich leisten können?

Schluss damit. Wir wollen keine Lernfabriken!’

Der Forderungskatalog beinhaltet:

  • Kostenlose Bildung für alle und volle Lernmittelfreiheit
  • Studien- und Ausbildungsplätze für alle
  • Kleinere Klassen durch die sofortige Einstellung von ausreichend LehrerInnen, mit dem Ziel, die Klassengröße auf maximal 20 SchülerInnen zu begrenzen und den Unterrichtsausfall zu verringern
  • Neugestaltung der Lehrpläne und der Bildungsdauer bis zum Abitur unter demokratischer Einbeziehung und Entscheidung durch SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern und die Rücknahme des Abiturs nach 12 Jahren, in den Bundesländern, die die Verkürzung neu vollzogen haben
  • Die Abschaffung aller „Kopfnoten“ (Beurteilung von Verhalten, Mitarbeit … im Zeugnis)
  • Die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems, um die darin enthaltene soziale Selektion zu beenden
  • Keine Bildungsprivatisierung und Sponsoring von Bildungseinrichtung durch Unternehmen
  • Eine bedarfsgerechte Ausstattung von Schulen, Bildungs- und Jugendeinrichtungen

Geplant sind Aktionen in mehr als 30 Städten. Einen Überblick über die geplanten Aktionen sowie eine umfangreiche Materialsammlung gibt es auf www.schulaction.org

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Im Rahmen des internationalen Protests

November 3, 2008

Wir müssen den Protest auf die Straßen tragen…

Demonstration gegen Studiengebühren

Das Aktionsbündnis für freie Bildung “Block Düsseldorf” ruft zur landesweiten Demonstration am 5.November 2008 gegen die Kommerzialisierung der Bildung auf. An diesem Tag werden weltweit, wie auch in vielen Städten Deutschlands, Proteste und Aktionen durchgeführt. Damit wollen die Organisatoren auf die globale Reichweite, wie auch die lokalen Probleme der neoliberalen Rekonfiguration des Bildungswesens hinweisen und einen Kurswechsel einfordern! Die Demonstration startet am 5.November 2008 um 13.00 Uhr vor dem Düsseldorfer Hauptbahnhof. Eine Webseite mit weiteren Informationen ist eingerichtet. Neben den Veranstaltern rufen auch das ABS (Aktionsbündnis gegen Studiengebühren), die ASten FH Düsseldorf, Uni Düsseldorf, Uni Köln, Uni Siegen, FH Aachen sowie studentische Gruppierungen aus dem ganzen Land zur Demo auf.

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Es tut sich was

November 2, 2008

Internationaler Aufruf zum am 5. November 2008 stattfindenden

Internationalen Aktionstag gegen die

Kommerzialisierung von Bildung


Dieser Aufruf wurde von AktivistInnen aus unterschiedlichen Weltregionen initiiert, welche ebenfalls gegen Studiengebühren, den immer größer werdenden Einfluss von Unternehmen und Konzernen auf die Hochschulen und die fortschreitende Privatisierung von Bildung im Allgemeinen kämpfen.

Allein im letzten Jahr setzten sich hunderttausende Studierende, ProfessorInnen, LehrerInnen, Eltern und ArbeiterInnen in vielen Teilen der Welt für kostenfreie öffentliche Hochschulen ein. Universitätsgebäude wurden besetzt, Straßen blockiert, Petitionen und Klagen unterschrieben. […]
Zur Zeit kämpfen Studierende u.a. in Chile, den Philippinen, den U.S.A., in Spanien, Deutschland, Kanada, Neuseeland, Frankreich, England gegen die Kommerzialisierung von Bildung.

Seit 1999 benutzen die meisten Regierungen Europas den Bologna-Prozess, um die Stellung der Bildung als öffentliches Gut in Frage zu stellen. Aufgrund dessen verfolgen die Bildungssysteme Europas zunehmend wirtschaftliche, anstatt öffentliche Interessen!
Offiziell soll dieser Prozess der Förderung der Mobilität von Studierenden und der Vereinfachung internationaler Anerkennung von Abschlüssen dienen, um Europa bis zum Jahr 2010 zum „wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt“ zu machen. Ganz so, wie alle anderen Staaten, Länder und Staatenbündnisse auf dem Planeten dies ebenfalls versuchen.


Meist wird versucht die Reformen mit Hilfe unterschiedlicher Versprechen, wie z.B. mehr „Autonomie“ für Hochschulen oder besserer Studienbedingungen, schmackhaft zu machen.
Erhöhter Wettbewerb zwischen den Institutionen treibt jedoch gleichzeitig einen Selektionsprozess voran.


Durch die Kommerzialisierung von Bildung werden Hochschulen immer stärker wie Unternehmen geführt: Studierende werden nur noch als (potentielle) KundInnen betrachtet (kein Mitspracherecht, weder für Studierende noch für Lehrkräfte oder Angestellte) und MitarbeiterInnen im Dienste der Wissenschaft verstärkt ausgebeutet.


Mit dem geförderten Wettbewerb zwischen den Institutionen wird die Etablierung eines Zwei-Klassen-Bildungssystemens unterstützt. Eine Klasse bestehend aus den „glücklichen Wenigen“, welche sich dem Selektionsprozess durch finanziellen Rückhalt entziehen können und den „High Potentials“ für den Arbeitsmarkt. Die meisten Studierenden werden keine Wahl haben, als auf die unterfinanzierten Verlierer des Wettbewerbes zwischen den Instituten zurückzugreifen.

Warum sollte auch die Privatwirtschaft ein Bildungssystem finanzieren, welches nicht in ihrem Interesse, sondern dem der ganzen Gesellschaft agiert?


Bildung ist einfach zu wichtig, um sie den Zwängen des Marktes und den Interessen einzelner wirtschaftlicher Akteure zu überlassen.

Bildung sollte keine Ware sein, sondern ein Recht für alle!


Für Freie und Emanzipatorische öffentliche Bildung

In vielen Teilen der Welt kämpfen Studierende für den Erhalt, oder die Einführung von Bildung mit emanzipatorischem Anspruch, so dass Menschen dazu befähigt werden, ihr soziales Umfeld kritisch zu reflektieren.


Verständlicherweise haben Regierungen und wirtschaftliche Akteure kein Interesse daran, solch eine Bildung der Masse der Bevölkerung nah zu legen. Menschen, die ihr Umfeld kritisch reflektieren, lassen sich wesentlich schwieriger beeinflussen und kontrollieren.


Deshalb liegt es an den Menschen selbst, sicherzustellen, dass ein freies öffentliches Bildungssystem mit emanzipatorischem Anspruch implementiert wird. Es ist in unserem eigenen Interesse als aktive BürgerInnen dieser Welt!


Wir sollten nicht tolerieren, dass die Bildungssysteme auf Unternehmen reduziert werden, die es sich zur Aufgabe machen, lediglich Humankapital für den Arbeitsmarkt zu „produzieren“.

Wir lassen uns nicht auf Ressourcen reduzieren – wir sind Menschen!


All dies sind Gründe, warum wir die Kommerzialisierung von Bildung auf der ganzen Welt ablehnen. Diese ist nicht vereinbar mit einer wirklich demokratischen Gesellschaft. Bildung muss für alle zugänglich und nicht an ein Alter oder finanzielle Bedingungen geknüpft sein.

Die Kommerzialisierung von Bildung ist Teil eines internationalen Prozesses, angetrieben durch eine „neoliberale Ideologie“ (siehe WTO [GATS], und Standortwettbewerb) sowie den unersättlichen Hunger nach Profiten. Die Devise sollte lauten: Lernen für’s Leben anstatt für den Arbeitsmarkt! Mit diesem Aufruf wollen wir diese Idee verteidigen und international koordinierte Protestaktionen ins Rollen bringen! […]



Internationaler Aktionstag am 5. November 2008


Mehrere Provinzen in ganz Kanada bereiten einen „Aktionstag gegen Studiengebühren“ für den 5. November vor. Warum machen wir nicht gleich einen „Internationalen Aktionstag gegen die Kommerzialisierung von Bildung“ daraus? Wir sind Millionen von AktivistInnen auf der ganzen Welt und potentiell sogar noch viele mehr, und die meisten Gesellschaften sind reicher als jemals zuvor.


Deshalb muss freie und emanzipatorische Bildung für alle keine Vision bleiben. Zu wenig Menschen sind sich bewusst, dass viele andere Individuen auf der Erde ebenfalls gegen genau die gleichen Zwänge ankämpfen, wie sie selbst.


Mit diesem Aktionstag werden folgende Ziele verbunden:


* das Bewusstsein für die globale Perspektive der Auseinandersetzungen gegen die Kommerzialisierung von Bildung (unter AktivistInnen und nicht-AktivistInnen) zu stärken;

* Gruppen und Organisationen aus der ganzen Welt, welche sich für freie und emanzipatorische Bildung einsetzten zusammenzubringen, um Erfahrungen auszutauschen und auf internationaler Ebene Proteste zu koordinieren;


* und letztendlich wollen wir Regierungen mit internationalen Druck von Seiten der Studierenden, Lehrenden und ArbeiterInnen dazu zwingen für alle Menschen zugängliche kostenfreie öffentliche Bildungssysteme mit emanzipatorischem Ansatz und wirklich
demokratischen Strukturen zu implementieren.
Bevor wir jedoch soweit sind, muss noch verstärkt innerhalb der Gesellschaften auf diese Thematik aufmerksam gemacht werden!


[…]


Der internationale Aktionstag wird hoffentlich erst der Anfang sein. Wenn eine verlässliche Struktur geschaffen wurde und ausreichend AktivistInnen aus unterschiedlichen Ecken der Welt sich beteiligen, können wir über weitere Schritte und Aktionen nachdenken!

Mit diesem internationalen Aufruf laden wir alle Studierendenorganisationen und -gruppen, sowie Organisationen des Hochschulpersonals dazu ein, sich mit uns an diesem Aktionstag zu beteiligen und sich für wahrhaft freie und emanzipatorische öffentliche Bildung einzusetzen.

Helft mit diesen Aufruf zu verbreiten, redet mit anderen darüber und macht mit.

Let’s get organized and unite in our struggle for Free and Emancipating public education.

Quelle und ganzer Beitrag:

fading-hope.blogcity.com/internationaler_aufruf_zum_internationalen_aktionstag_gegen.htm

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Die Wahrheit lässt sich kaum vertuschen

November 1, 2008

Vor allem Frauen und junge Menschen aus bildungsfernen Familien machen wegen der Studiengebühren einen Bogen um die Universitäten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Hochschul Informations Systems (HIS) in Hannover, die nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa im Bundesbildungsministerium unter Verschluss gehalten wird…

Abschreckende Wirkung von Studiengebühren belegt

Bis zu 18.000 Absolventen allein des Abiturjahrgangs 2006 haben laut Studie, die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) nach eigenen Angaben vorliegt, wegen der neuen Gebühren kein Studium aufgenommen. Dieser Zahl liegen die Befragung von 5.420 repräsentativ ausgewählten Studienberechtigten des Abschlussjahrgangs 2006 sowie die Auswertung regelmäßiger Abiturienten-Untersuchungen des HIS zugrunde.

Nach dpa-Angaben zeigt die Studie, dass die Gebührendebatte unter Abiturientinnen und Abiturienten und jungen Menschen mit Fachhochschulreife zu „erheblicher Verunsicherung“ führt – selbst in Bundesländern, die noch keine Gebühren verlangen. Kinder aus Akademikerfamilien ließen sich „deutlich seltener in ihrer Hochschulwahl beeinflussen“ als junge Menschen mit bildungsfernem Hintergrund.

Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), forderte die unverzügliche Veröffentlichung der Studie. Sie habe schon vor Wochen eine Unterrichtung durch das Ministerium verlangt. Die Ergebnisse dürften vor dem Bildungsgipfel von Bund und Ländern „nicht vertuscht werden“, so Burchardt. Das Thema gehöre auf den Bildungsgipfel am Mittwoch in Dresden.


Seit Einführung der Studiengebühren hat die GEW immer wieder auf den bildungspolitischen Schaden hingewiesen, der dadurch angerichtet wird. Das Bezahlstudium widerspreche der Chancengleichheit beim Hochschulzugang, so die Bildungsgewerkschaft. Sie fordert alle Bundesländer, die auf Studiengebühren setzen, auf, die entsprechenden Gesetze wieder einzukassieren.


Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert in seinen „Gewerkschaftlichen Anforderungen an den Bildungsgipfel“, die Gebührenfreiheit des Hochschulstudiums durch einen bundesweiten gesetzlichen Ausschluss von Studiengebühren durchzusetzen. Der Beschluss des DGB-Bundesvorstands „Mit guter Bildung in die Zukunft“ wurde auf der Konferenz „Neue Bildung für das Land – DGB-Kompass zum Gipfel“ heute in Berlin vorgestellt.


Zwar hat das Bundesverfassungsgericht 2005 dem Bund die Zuständigkeit für ein gesetzliches Gebührenverbot abgesprochen, inzwischen hat sich die Verfassungsrechtslage in Folge der Föderalismusreform von 2006 jedoch geändert – nach Auffassung der Bildungsgewerkschaft GEW zu Gunsten einer Bundeskompetenz in Sachen Studiengebühren.


Das für Hochschulen zuständige Vorstandsmitglied der GEW, Andreas Keller, legte bereits im November 2007 in seiner Stellungnahme an den Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung dar, dass der Bund nach der Föderalismusreform eine Gesetzgebungskompetenz für die Hochschulzulassung besitze, die den Hochschulzugang einschließe (siehe Infokasten Download). Aus dieser neuen Verfassungsrechtslage ergebe sich, dass der Bund die Kompetenz für ein bundesweites gesetzliches Gebührenverbot habe.


„Bund und Länder haben bei ihrem Bildungsgipfel jetzt die Chance, mit der sozialen Öffnung der Hochschulen ernst zu machen“, erklärte Keller am Rande der DGB-Veranstaltung in Berlin. „Neben der Öffnung der Hochschulen für beruflich Qualifizierte, einer strukturellen BAföG-Reform mit der Perspektive eines elternunabhängigen Studienhonorars und dem nachfragegerechten Ausbau der Hochschulen gehört hierzu die bundesweite Abschaffung aller Studiengebühren ohne Wenn und Aber“, forderte der GEW-Hochschulexperte und erinnerte an die völkerrechtliche Verpflichtung von Bund und Ländern, wieder von Studiengebühren Abstand zu nehmen.


Auch der DGB nimmt mit seinem Beschluss zum Bildungsgipfel explizit Bezug auf den Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (UN-Sozialpakt), den die Bundesrepublik Deutschland ratifiziert hat. Im UN-Sozialpakt hat sich Deutschland völkerrechtlich verpflichtet, den „Hochschulunterricht auf jede geeignete Weise, insbesondere durch allmähliche Einführung der Unentgeltlichkeit, jedermann gleichermaßen entsprechend seinen Fähigkeiten zugänglich“ zu machen (Artikel 13 UN-Sozialpakt).


Beim für die Überwachung des UN-Sozialpakts zuständigen UN-Ausschuss in Genf ist seit 2007 eine gemeinsame Stellungnahme der Bildungsgewerkschaft GEW und der Dachverband der Studierendenvertretungen fzs anhängig, die auf eine Rüge der Bundesrepublik durch die Vereinten Nationen abzielt.

Quelle: http://www.gew.de