Internationaler Aufruf zum am 5. November 2008 stattfindenden
Internationalen Aktionstag gegen die
Kommerzialisierung von Bildung
Dieser Aufruf wurde von AktivistInnen aus unterschiedlichen Weltregionen initiiert, welche ebenfalls gegen Studiengebühren, den immer größer werdenden Einfluss von Unternehmen und Konzernen auf die Hochschulen und die fortschreitende Privatisierung von Bildung im Allgemeinen kämpfen.
Allein im letzten Jahr setzten sich hunderttausende Studierende, ProfessorInnen, LehrerInnen, Eltern und ArbeiterInnen in vielen Teilen der Welt für kostenfreie öffentliche Hochschulen ein. Universitätsgebäude wurden besetzt, Straßen blockiert, Petitionen und Klagen unterschrieben. […]
Zur Zeit kämpfen Studierende u.a. in Chile, den Philippinen, den U.S.A., in Spanien, Deutschland, Kanada, Neuseeland, Frankreich, England gegen die Kommerzialisierung von Bildung.
Seit 1999 benutzen die meisten Regierungen Europas den Bologna-Prozess, um die Stellung der Bildung als öffentliches Gut in Frage zu stellen. Aufgrund dessen verfolgen die Bildungssysteme Europas zunehmend wirtschaftliche, anstatt öffentliche Interessen!
Offiziell soll dieser Prozess der Förderung der Mobilität von Studierenden und der Vereinfachung internationaler Anerkennung von Abschlüssen dienen, um Europa bis zum Jahr 2010 zum „wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt“ zu machen. Ganz so, wie alle anderen Staaten, Länder und Staatenbündnisse auf dem Planeten dies ebenfalls versuchen.
Meist wird versucht die Reformen mit Hilfe unterschiedlicher Versprechen, wie z.B. mehr „Autonomie“ für Hochschulen oder besserer Studienbedingungen, schmackhaft zu machen.
Erhöhter Wettbewerb zwischen den Institutionen treibt jedoch gleichzeitig einen Selektionsprozess voran.
Durch die Kommerzialisierung von Bildung werden Hochschulen immer stärker wie Unternehmen geführt: Studierende werden nur noch als (potentielle) KundInnen betrachtet (kein Mitspracherecht, weder für Studierende noch für Lehrkräfte oder Angestellte) und MitarbeiterInnen im Dienste der Wissenschaft verstärkt ausgebeutet.
Mit dem geförderten Wettbewerb zwischen den Institutionen wird die Etablierung eines Zwei-Klassen-Bildungssystemens unterstützt. Eine Klasse bestehend aus den „glücklichen Wenigen“, welche sich dem Selektionsprozess durch finanziellen Rückhalt entziehen können und den „High Potentials“ für den Arbeitsmarkt. Die meisten Studierenden werden keine Wahl haben, als auf die unterfinanzierten Verlierer des Wettbewerbes zwischen den Instituten zurückzugreifen.
Warum sollte auch die Privatwirtschaft ein Bildungssystem finanzieren, welches nicht in ihrem Interesse, sondern dem der ganzen Gesellschaft agiert?
Bildung ist einfach zu wichtig, um sie den Zwängen des Marktes und den Interessen einzelner wirtschaftlicher Akteure zu überlassen.
Bildung sollte keine Ware sein, sondern ein Recht für alle!
Für Freie und Emanzipatorische öffentliche Bildung
In vielen Teilen der Welt kämpfen Studierende für den Erhalt, oder die Einführung von Bildung mit emanzipatorischem Anspruch, so dass Menschen dazu befähigt werden, ihr soziales Umfeld kritisch zu reflektieren.
Verständlicherweise haben Regierungen und wirtschaftliche Akteure kein Interesse daran, solch eine Bildung der Masse der Bevölkerung nah zu legen. Menschen, die ihr Umfeld kritisch reflektieren, lassen sich wesentlich schwieriger beeinflussen und kontrollieren.
Deshalb liegt es an den Menschen selbst, sicherzustellen, dass ein freies öffentliches Bildungssystem mit emanzipatorischem Anspruch implementiert wird. Es ist in unserem eigenen Interesse als aktive BürgerInnen dieser Welt!
Wir sollten nicht tolerieren, dass die Bildungssysteme auf Unternehmen reduziert werden, die es sich zur Aufgabe machen, lediglich Humankapital für den Arbeitsmarkt zu „produzieren“.
Wir lassen uns nicht auf Ressourcen reduzieren – wir sind Menschen!
All dies sind Gründe, warum wir die Kommerzialisierung von Bildung auf der ganzen Welt ablehnen. Diese ist nicht vereinbar mit einer wirklich demokratischen Gesellschaft. Bildung muss für alle zugänglich und nicht an ein Alter oder finanzielle Bedingungen geknüpft sein.
Die Kommerzialisierung von Bildung ist Teil eines internationalen Prozesses, angetrieben durch eine „neoliberale Ideologie“ (siehe WTO [GATS], und Standortwettbewerb) sowie den unersättlichen Hunger nach Profiten. Die Devise sollte lauten: Lernen für’s Leben anstatt für den Arbeitsmarkt! Mit diesem Aufruf wollen wir diese Idee verteidigen und international koordinierte Protestaktionen ins Rollen bringen! […]
Internationaler Aktionstag am 5. November 2008
Mehrere Provinzen in ganz Kanada bereiten einen „Aktionstag gegen Studiengebühren“ für den 5. November vor. Warum machen wir nicht gleich einen „Internationalen Aktionstag gegen die Kommerzialisierung von Bildung“ daraus? Wir sind Millionen von AktivistInnen auf der ganzen Welt und potentiell sogar noch viele mehr, und die meisten Gesellschaften sind reicher als jemals zuvor.
Deshalb muss freie und emanzipatorische Bildung für alle keine Vision bleiben. Zu wenig Menschen sind sich bewusst, dass viele andere Individuen auf der Erde ebenfalls gegen genau die gleichen Zwänge ankämpfen, wie sie selbst.
Mit diesem Aktionstag werden folgende Ziele verbunden:
* das Bewusstsein für die globale Perspektive der Auseinandersetzungen gegen die Kommerzialisierung von Bildung (unter AktivistInnen und nicht-AktivistInnen) zu stärken;
* Gruppen und Organisationen aus der ganzen Welt, welche sich für freie und emanzipatorische Bildung einsetzten zusammenzubringen, um Erfahrungen auszutauschen und auf internationaler Ebene Proteste zu koordinieren;
* und letztendlich wollen wir Regierungen mit internationalen Druck von Seiten der Studierenden, Lehrenden und ArbeiterInnen dazu zwingen für alle Menschen zugängliche kostenfreie öffentliche Bildungssysteme mit emanzipatorischem Ansatz und wirklich
demokratischen Strukturen zu implementieren.
Bevor wir jedoch soweit sind, muss noch verstärkt innerhalb der Gesellschaften auf diese Thematik aufmerksam gemacht werden!
[…]
Der internationale Aktionstag wird hoffentlich erst der Anfang sein. Wenn eine verlässliche Struktur geschaffen wurde und ausreichend AktivistInnen aus unterschiedlichen Ecken der Welt sich beteiligen, können wir über weitere Schritte und Aktionen nachdenken!
Mit diesem internationalen Aufruf laden wir alle Studierendenorganisationen und -gruppen, sowie Organisationen des Hochschulpersonals dazu ein, sich mit uns an diesem Aktionstag zu beteiligen und sich für wahrhaft freie und emanzipatorische öffentliche Bildung einzusetzen.
Helft mit diesen Aufruf zu verbreiten, redet mit anderen darüber und macht mit.
Let’s get organized and unite in our struggle for Free and Emancipating public education.
Quelle und ganzer Beitrag:
fading-hope.blogcity.com/internationaler_aufruf_zum_internationalen_aktionstag_gegen.htm